Wir starten unsere Normandie-Reise meistens hier am Juno Beach. Ab hier beginnt für uns der spannende Teil dieser Gegend. Es ist schwer den ruhigen Küstenabschnitt mit den Bildern vom 6. Juni 1944 zusammenzubringen.
Meer, Dünen, Möwen, alles was wir in der Normandie mögen. Aber sobald man anfängt, sich mit der Geschichte dieses Strandes, dieser Gegend zu beschäftigen, spürt man, dass hier nichts selbstverständlich ist.
Am D-Day landeten hier vor allem kanadische Soldaten und kämpften sich durch stark befestigte deutsche Stellungen ins Landesinnere.
Schon wenige Schritte hinter dem Besucherzentrum verändert sich die Atmosphäre.
Die Geräusche werden leiser, die Wege öffnen sich und schließlich liegen die langen Reihen weißer Grabsteine vor einem.
Tausende Kreuze und Davidsterne stehen nahezu vollkommen ausgerichtet auf dem gepflegten Rasen.
Und obwohl man Bilder dieses Ortes kennt, ist es etwas völlig anderes, tatsächlich davorzustehen.
Erst hier bekommt eine Zahl wie 9.389 plötzlich eine Dimension.
Neben den Gräberfeldern gehören das Memorial, die Kapelle, der Garten der Vermissten und die Aussicht über die Küste zu den wichtigsten Bereichen der Anlage.
Gerade der Blick Richtung Omaha Beach schafft eine unmittelbare Verbindung zu den Ereignissen des 6. Juni 1944.
Viele der Männer, deren Namen hier stehen, landeten nur wenige Kilometer entfernt an diesem Strand oder kämpften in den Tagen und Wochen danach in der Normandie.
Nimm dir für diesen Ort bewusst Zeit.
Wir würden den Friedhof nicht einfach als nächsten Punkt zwischen zwei D-Day-Sehenswürdigkeiten einplanen.
Geh langsam durch die Reihen, lies Namen, Alter, Einheiten und Herkunftsorte auf den Grabsteinen.
Erst dadurch wird aus einer scheinbar endlosen Zahl einzelner Kreuze wieder das, was sie eigentlich darstellen, einzelne Menschen.
Wenn es zeitlich passt, lohnt es sich außerdem, bis zur täglichen Flaggenzeremonie zu bleiben. Die amerikanische Flagge wird eine Stunde vor Schließung eingeholt.
Die Geschichte des Friedhofs begann nicht erst Jahre nach dem Krieg.
Bereits am 8. Juni 1944, nur zwei Tage nach der Landung in der Normandie, richtete die U.S. First Army in diesem Gebiet den provisorischen St. Laurent Cemetery ein.
Es war der erste amerikanische Soldatenfriedhof auf europäischem Boden während des Zweiten Weltkriegs.
Die Gefallenen der Landung und der anschließenden Kämpfe mussten schnell und würdevoll bestattet werden. Mit jedem Tag der Schlacht wurden die provisorischen Friedhöfe größer.
Nach dem Krieg standen die Familien vor einer Entscheidung.
Die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen konnten in die Vereinigten Staaten zurückgebracht oder auf einem dauerhaften amerikanischen Soldatenfriedhof in Europa beigesetzt werden.
Für diejenigen, deren Familien sich für eine letzte Ruhestätte in der Normandie entschieden, entstand die heutige Anlage in Colleville-sur-Mer.
Am 18. Juli 1956 wurde der permanente Normandy American Cemetery offiziell eingeweiht.
Heute umfasst das Gelände rund 172,5 Acres – knapp 70 Hektar.
Hier befinden sich die Gräber von 9.389 amerikanischen Kriegstoten.
Die meisten von ihnen verloren ihr Leben während der Landung am D-Day oder in den darauffolgenden Operationen zur Befreiung Europas.
An den Walls of the Missing sind zusätzlich die Namen von 1.557 Vermissten eingraviert.
Bei Männern, deren sterbliche Überreste später gefunden und identifiziert wurden, wurde neben dem Namen eine kleine Rosette angebracht.
Im Zentrum des Memorials steht die Bronzestatue „Spirit of American Youth Rising from the Waves“.
Die großen Karten in den seitlichen Loggien zeigen die militärischen Operationen der Landung und des weiteren Vormarsches durch Europa.
Der Friedhof ist damit weit mehr als eine Begräbnisstätte.
Er ist gleichzeitig Memorial, historischer Lernort und einer der wichtigsten amerikanischen Erinnerungsorte außerhalb der Vereinigten Staaten.
9.389
Bestattete
1.557
Namen auf den Walls of the Missing
172,5 Acres
rund 70 Hektar Fläche
1956
Einweihung des permanenten Friedhofs
D-Day
Amerikanische Soldaten landen unter anderem am unmittelbar unterhalb der Anlage gelegenen Omaha Beach. Die Kämpfe dort gehören zu den verlustreichsten des gesamten Landungstages.
Der erste Friedhof entsteht
Die U.S. First Army richtet den provisorischen St. Laurent Cemetery ein. Er wird zum ersten amerikanischen Soldatenfriedhof auf europäischem Boden während des Zweiten Weltkriegs.
Die Entscheidung der Familien
Angehörige können entscheiden, ob die Gefallenen in die Vereinigten Staaten zurückgebracht oder dauerhaft auf einem amerikanischen Friedhof in Europa beigesetzt werden sollen. Die heutige Anlage wird geplant und gestaltet.
Einweihung
Der permanente Normandy American Cemetery and Memorial wird offiziell eingeweiht.
Erinnerung bewahren
Die American Battle Monuments Commission erhält die Anlage und bewahrt die Geschichten der hier bestatteten und vermissten amerikanischen Soldaten.
Mehr als nur ein Friedhof
DIE GRÄBERFELDER
Die langen Reihen aus weißen Marmorkreuzen und Davidsternen prägen das Bild des Friedhofs.
Nimm dir Zeit, einzelne Grabsteine zu lesen. Neben Name und Dienstgrad findest du dort auch Einheit, Herkunftsstaat und Todestag.
DAS MEMORIAL
Das halbkreisförmige Memorial bildet einen der zentralen Punkte der Anlage.
Große Karten zeigen die Landung in der Normandie und den weiteren Verlauf der militärischen Operationen.
WALLS OF THE MISSING
An den Wänden des halbkreisförmigen Gartens sind 1.557 Namen amerikanischer Vermisster eingraviert.
Eine kleine Rosette neben einem Namen bedeutet, dass die betreffende Person später gefunden und identifiziert werden konnte.
DIE KAPELLE
Zwischen den Gräberfeldern liegt eine kleine Kapelle.
Sie bildet einen stillen Mittelpunkt der weitläufigen Anlage.
DER BLICK ÜBER OMAHA BEACH
Der Friedhof liegt auf den Höhen unmittelbar oberhalb von Omaha Beach.
Von hier aus lässt sich besonders gut verstehen, wie nah Friedhof, Küste und ehemaliges Kampfgebiet tatsächlich beieinanderliegen.
Der frühere direkte Fußweg vom Friedhof hinunter zum Strand ist allerdings seit 2016 geschlossen.
Ein Besuch, der bleibt
Für Geschichtsinteressierte
Wenn du dich mit dem D-Day beschäftigst, gehört Colleville-sur-Mer für uns unbedingt dazu. Der Friedhof gibt den Ereignissen und Zahlen eine menschliche Dimension.
Für Familien
Auch Kinder können hier Geschichte erleben. Gerade ältere Kinder beginnen häufig erst beim Anblick der unzähligen Grabsteine zu verstehen, wie viele einzelne Schicksale hinter einem historischen Ereignis stehen.
Für Menschen, die erinnern möchten
Du musst kein Militärhistoriker sein, um diesen Ort zu verstehen. Der Friedhof erzählt vor allem von Menschen, Verlust und Erinnerung.
Für alle, die Omaha Beach besuchen
Wenn du vorher unten am Omaha Beach gestanden hast und anschließend hierherkommst, verändert sich der Blick auf beide Orte.
Für uns gehören Omaha Beach und der amerikanische Friedhof deshalb unmittelbar zusammen.
Alles Wichtige auf einen Blick
Adresse:
Normandy American Cemetery
14710 Colleville-sur-Mer
Öffnungszeiten:
Täglich von 09:00 bis 17:00 Uhr
Geschlossen am 25. Dezember und 1. Januar.
Der letzte Einlass erfolgt 30 Minuten vor Schließung.
Eintritt:
Kostenlos
Besuchsdauer:
Wir empfehlen etwa 1,5–2 Stunden.
Besucherzentrum:
Am Eingang der Anlage befindet sich ein Visitor Center mit Ausstellung und historischen Informationen.
Toiletten:
Vorhanden
Fotografieren:
Private Fotos sind grundsätzlich erlaubt.
Da es sich um eine aktive Gedenk- und Ruhestätte handelt, sollte das Fotografieren entsprechend respektvoll erfolgen.
direkt vor Ort
Die Anlage ist überwiegend eben und grundsätzlich auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen gut zugänglich.
Normale Haustiere sind auf dem Gelände nicht erlaubt.
Zugelassen sind speziell ausgebildete Assistenzhunde für Menschen mit Behinderung.
Flaggenzeremonie:
Die amerikanische Flagge wird täglich etwa eine Stunde vor Schließung eingeholt.
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